Martyrologium

Simone Adolphine Weil

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* 3. Februar 1909 in Paris; † 24. August 1943 in Ashford, England) war eine französische Philosophin, Dozentin und Lehrerin sowie Sozialrevolutionärin[1] jüdischer Abstammung. Sie war politisch und sozial stark engagiert und hat Aktion und Kontemplation verbunden. Zunächst war sie eine agnostisch orientierte Gewerkschafterin und gleichwohl Kritikerin des Marxismus. Später entwickelte sie sich zu einer bekannten Mystikerin. Die Einheit von Politik und Religion hat sie niemals aufgegeben. Das Leben betrachtete sie als eine Suche nach dem Absoluten. Ihr Denken war von christlicher Mystik sowie von platonischen und buddhistischen Einsichten geprägt, darüber hinaus auch von der jüdischen Tradition, wozu sie sich aber nicht bekannte. Auf sie geht der Gedanke der „décréation“ zurück, der „totalen Selbstentäußerung des Menschen vor Gott“. Sie näherte sich dem Katholizismus an. Mit dem Dominikanerpater Joseph-Marie Perrin, der sich um ihren Eintritt in die katholische Kirche bemühte, verband sie ein intensiver Briefwechsel. Simone Weil hielt aber daran fest, dass die Vollkommenheit und die Liebe Christi in uns sein könnten, ohne dass wir der Kirche angehörten. Gott habe ihr noch nicht zu erkennen gegeben, dass er diesen Schritt von ihr erwarte. Die Vergangenheit der Kirche mit der Inquisition, den Kreuzzügen und Religionskriegen empfand sie als abstoßend. Ebenso vermisste sie den intensiven Einsatz der Kirche für soziale und geistige Reformen. Heinrich Böll über Simone Weil: „Die Autorin liegt mir auf der Seele wie eine Prophetin; es ist der Literat in mir, der Scheu vor ihr hat; es ist der potentielle Christ in mir, der sie bewundert, der in mir verborgene Sozialist, der in ihr eine zweite Rosa Luxemburg ahnt; der ihr durch seinen Ausdruck mehr Ausdruck verleihen möchte. Ich möchte über sie schreiben, ihrer Stimme Stimme geben, aber ich weiß: ich schaffe es nicht, ich bin ihr nicht gewachsen, intellektuell nicht, moralisch nicht, religiös nicht. Was sie geschrieben hat, ist weit mehr als ‚Literatur‘, wie sie gelebt hat, weit mehr als ‚Existenz‘. Ich habe Angst vor ihrer Strenge, ihrer sphärischen Intelligenz und Sensibilität, Angst vor den Konsequenzen, die sie mir auferlegen würde, wenn ich ihr wirklich nahe käme. In diesem Sinne ist sie nicht ‚Literatur als Gepäck‘, aber eine Last auf meiner Seele. Ihr Name: Simone Weil.“ Portrait in weiß und Sepia auf gepresstem Gingkoblatt, Foto: EVA